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Joi Ito: Private Investigations

Zur Keynote präsentiert Tim Pritlove niemand geringeren als Joi Ito, der schon im letzten Jahr den großen Saal 1 mit seinem Vortrag zum Status der Emergent Democracy füllte. Als VC-Geber, ICANN- und Creative Commons-Vorstandsmitglied, Vorstand von Six Apart Japan, Vizepräsident von Technorati und als Blogger ist Joi Ito nicht nur einem umfassenden Publikum ein Begriff, sondern auch eine passende Wahl für die Eröffnungs-Keynote.

Ganz im Geiste seines Emergent-Democracy-Vortrags über die Geburt eines neuartigen Demokratie-Verständnisses warnt er auch in diesem Jahr weiter vor der Gefahr, in der er das Recht auf freie Rede und Meinung wähnt. Denn wo der Gedanke der »emerging democracy« tatsächlich zu offeneren Netzen und damit zu einer offeneren Gesellschaft führen kann, dort entstehen laut Ito auch Risiken durch Top-down-Kontrollinstanzen und Monopole: »Money is lonely; it loves to go where other money is«, zitiert er einen chinesischen Freund.

Daher kämpfe er als ICANN-Vorstandsmitglied dafür, das Internet offen und frei zu halten und ruft die Zuhörer auf, sich in derselben Richtung zu engagieren. Demokratie sei nicht selbstverständlich. An Beispielen aus Japan, Simbabwe und Iran zeigt er auf, wie wichtig der Gedankenaustausch zwischen Menschen, das Recht auf eigene Meinung und Meinungsäußerung und der Wettbewerb von Ideen sind. Erst dieser Austausch, dieser Wettbewerb ermögliche Veränderungen, Wechsel und Horizonterweiterung. An diesen Schnittstellen werden Märkte geboren – was an sich nicht schlecht sei, wenn nicht gleich der böse Top-down-Monopol-Goliath mit seinen »Boogymen« im Gefolge versuchen würde, alle entstehenden Bottom-up-Davids-Prozesse zu unterjochen.

Daher sei es überaus wichtig, den Einzelnen mit einer hörbaren Stimme zu versorgen, beispielsweise über Blogs: Beware the boogymen! Ito vergisst auch nicht, entsprechende Seitenhiebe auf Regierungen, Film- und Musikindustrie loszuwerden, die das Internet am liebsten unter ihren Zensur- und Kontrollfittichen sähen, »geschützt« vor Datenpiraten, Terroristen und Pornografen: »Terroristen und Kinderpornografen nutzen das Internet: Wenn man das Internet einfach schließt, gibt es keinen Terrorismus und Kinderpornografie mehr«, führt Ito die groteske Denke vor.

Datenschutz, Anonymität, Meinungs- und Redefreiheit: Was können wir tun, um sie zu schützen? Itos nicht schlussendliche Antwort lautet, die Diskussion voranzutreiben, miteinander zu reden und zu streiten, das Netzwerk untereinander über Blogs, Wikis und alternative Medien offen und ganz zu halten, die Inhalte, die dabei entstehen, als Free und Open Content zu verteilen.

»Alle guten Ideen hatten ihren Ursprung außerhalb der großen Konzerne«, sagt Joi Ito abschließend. Es sei nicht wahr, dass Free and Open Source Software, freier Content und Sharing Jobs und Werte verringern oder gar stehlen würde. »Stellt Autoritäten in Frage. Sitzt nicht rum und gebt auf. Hackt das System. Be furious, be serious, be angry.«

27.12.05 | PermaLink | | Marcus Völkel

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